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» Band I - Leseprobe Kapitel 2

Hermion - Kapitel 2 (unredigiert)

Sein Nacken beginnt zu schmerzen vom vielen Umdrehen und den Blicken nach hinten. Doch schon sind die Hütten außer Sicht und die Straße schlängelt sich staubig vor ihm dahin. Schier endlos erscheint ihm jetzt der Weg, den er vor sich hat. 5 Tagesmärsche trennen ihn noch von seinem ersten Ziel, sollte nichts dazwischen kommen. Jetzt trifft er öfter auf ein Fuhrwerk das ihn meist auch ein Stück des Weges mitnimmt. Das ist zwar langsamer als zu Fuß, aber die Erholung der Beine ist ihm das wert. Selbst wenn es dann sechs Tage sein sollten, die er nach Hermion benötigen würde, was soll es, er hat genügend Zeit. So lässt er die vergangenen Tage nochmals in Gedanken vorbeiziehen, sieht sich beim Arbeiten, Lachen, Essen mit seinen Freunden. Bisher war diese Große Reise eine tolle Sache gewesen und die ersten Abenteuer waren ja auch schon da. Am Abend lagert er wieder in einer der Schutzhütten. Dieser erste Tag war besonders lang gewesen, da er ja in aller Frühe mit der Familie von Thomay aufgestanden war. Daher schläft er fast augenblicklich ein, als er sich auf sein Lager legt.

Donnergrollen weckt ihn, er schlägt die Augen auf und geht nach draußen. Dunkle Wolken fliegen über den Himmel, grelle Blitze zucken quer, der Wind tost unnatürlich laut. Arkon stemmt sich dagegen, den Blick auf den Horizont gerichtet. Dann sieht er sie kommen, hunderte von Kriegsschiffen, mit schwarzen Segeln und voller Bewaffnung, an Bord bis an die Zähne bewaffnete Soldaten. Schnell wie der Wind rasen sie heran, angeführt von sechs besonders großen Hauptschiffen, bringen Zerstörung und Tod. Nichts hält sie auf, nicht die wenigen Schiffe, die sich ihnen entgegenstellen, nicht die Hafenanlagen, nicht die Stadtmauern, alles wird niedergemacht - Arkon steht auf dem Hügel und blickt auf die Zerstörung, die er nicht begreifen kann. Doch er kann sich nicht bewegen, kann nicht eingreifen. Er ist gelähmt, muss dem Ganzen zusehen. Dann hallt eine donnernde Stimme in seinem Kopf, "Ha ha ha haaa, kleiner Wicht, möchtest dich mit mir anlegen, möchtest gegen mich kämpfen, ha ha ha. Du Schmeißfliege, ich zerquetsche dich mit einem Stiefeltritt." Ein gleißender Blitz jagt direkt von einem der sechs Hauptschiffe auf Arkon zu und trifft ihn mit voller Wucht. Arkon schreit auf.

Dann erwacht er schweißgebadet aus seinem Traum. Sein Atem geht schnell und er sieht sich verwirrt um. Doch in der Hütte gibt es keine Schiffe, keine magischen Blitze und auch keine Stimme in seinem Kopf. Er ist alleine in der Schutzhütte, der Himmel draußen ist sternenklar. Arkon steht auf und vertritt sich vor der Hütte die Beine. Er benötigt lange Zeit, bis er sich beruhigt hat und sich wieder hinlegen kann. Ein solcher Traum war ihm noch nie untergekommen. Was war das, welche Stadt wurde da zerstört? War es Mermol? Die Erinnerung verblasst zu schnell, als dass er sich an Einzelheiten erinnern kann, nur die Schiffe mit den schwarzen Segeln und diese donnernde Stimme haben sich in sein Gehirn eingebrannt. Er wischt die Gedanken beiseite und legt sich wieder in sein Lager. Doch sein Schlaf ist nun unruhig und wenig erholsam. Fast glücklich begrüßt er die Morgensonne, auch wenn er furchtbar müde ist. Nach einem kurzen Frühstück macht er sich auf den Weg, um sich gedanklich abzulenken.

Das Wetter ist immer noch angenehm trocken. Eigentlich ist er mehr Regentage gewohnt, doch möglicherweise ist das hier weiter im Landsinneren anders als an der Küste. Er denkt an Mermol, seine Familie und seine Freunde. Wie es ihnen wohl ergehen mag. Sicher hatte Krik wieder ein Fenster eingeworfen und Lehte spielt mit ihren Freundinnen Prinzessin und Hofstaat. Zhalo und Merthe gehen ihrem Tagwerk nach und verköstigen die Gäste des "Grauen Adler". Er stellt sich das Haus und das Schild mit dem naiv gemalten Adler bildlich vor. Dabei wandert sein Blick nach oben in den Himmel über die wenigen Wolken, die vorbeiziehen. Ein schwarzer Punkt wandert gerade über eine der Wolken, dann ist er wieder weg. "Hm, was das wohl war?" fragt er sich selbst. Er hält inne und sucht den Himmel nahe dieser Wolke ab. Da, schon wieder zieht ein dunkler Punkt über diese Wolke. Er hatte sich also nicht getäuscht. "Das muss ein großes Wesen sein, wenn es auf diese Entfernung noch sichtbar ist", murmelt Arkon vor sich hin. Seine Gedanken wandern zu dem Fanggreif, der ihn so erschreckt hatte. Ob es wohl derselbe Fanggreif ist, der dort oben seine Runden dreht? Arkon gefällt der Gedanke, dass er von diesem Wesen begleitet und beschützt wird. Er malt sich in seiner Phantasie aus, dass er mit ihm eine Freundschaft hätte und sie zusammen haarsträubende Abenteuer bestehen würden. "Arkon und sein Fanggreif". Im Weitergehen spielt er weiter mit den Gedanken, wie sie zusammen dreiköpfige Monster jagen, Prinzessinnen aus misslichen Lagen befreien, er auf dem Rücken des Greifen durch die Lüfte schwebt und noch viele Phantastereien mehr. Die Zeit verfliegt und schnell sinkt die Sonne wieder dem Horizont entgegen. Die nächste Schutzhütte will er zum Nachtlager aufsuchen.

Als er die Hütte erreicht, ist die Sonne untergegangen. Es dämmert und er sieht nicht mehr besonders weit. Arkon betritt die Hütte und macht sich daran, einmal durch die vier Ecken zu laufen, um die Krabbler und andere Bewohner der Hütte erst mal zu verscheuchen. In der zweiten Ecke tritt er auf etwas weiches, großes, das sich prompt mit einem Knurren bewegt. Arkon macht einen Sprung nach hinten und stößt sich den Kopf an der Wand der Hütte. Das Wesen brummt und erhebt sich, es wird größer und größer und dann steht ein fast zwei Meter hohes Etwas bedrohlich nah vor ihm. Arkon dreht sich um, um schnellstens aus der Hütte zu verschwinden, doch er wird mit einer Bewegung von den Füßen gerissen. Am Rucksack gepackt, baumelt er halb in der Luft und rudert mit den Armen, den Stock bereits verloren und damit fast wehrlos.

"Na, was haben wir denn da?" knurrt das Wesen. Arkon erstarrt in seinen Bewegungen. "Ah, ein kleiner Junge. Na dann halt mal still, ich tu dir nichts!" sagt das Wesen, das jetzt doch einem Menschen ähnlich wird und setzt Arkon auf dem Boden ab. Arkon dreht sich zu dem Mann um und murmelt:

"Entschuldige, ich wollte nur die Krabbler vertreiben."

Der nur schemenhaft erkennbare Mann brummt, "Und dazu trittst du fremden Schläfern auf den Beinen herum? Na komm, setz dich, wir machen Feuer und dann sehen wir weiter."

Schweigend setzt sich Arkon und sieht dem Mann zu, wie er mit präzisen Bewegungen in kürzester Zeit eine Flamme erzeugt. Als das Feuer heller wird, kann er sein Gegenüber endlich betrachten. Es ist ein hochgewachsener, schlanker und doch muskulöser Mann mittleren Alters. Er ist angezogen wie ein Streuner, aber seine Haltung ist elegant und aufrecht. Arkon sieht klare, helle Augen in einem markanten Gesicht, die ihn genauso interessiert mustern, wie er ihn.

"So, nun, wer bist du?" wird er gefragt.

"Mein Name ist Arkon, Sohn von Zhelo und Merthe. Ich komme aus Mermol und bin auf meiner großen Reise."

Der Fremde sieht ihn an und nach einiger Zeit antwortet er "Gut. Aus Mermol, dahin bin ich unterwegs. Ach ja, nenn mich Jamal, wie mich meine Freunde rufen. Hast du Hunger?"

Arkon ist froh über das Angebot, denn seine Vorräte sollten ja noch bis Hermion reichen. Dankend nimmt er das angebotene Fleisch und hält es an einem schnell hergestellten Holzspieß ins Feuer.

"Mm, Hopplerfleisch, das schmeckt lecker."

Der Abend vergeht schnell über ihren Gesprächen. Arkon wird schnell warm mit Jamal und seine Fragen haben erst ein Ende, als das Feuer klein wird und Jamal sich die Augen reibt.

"Jetzt ist wirklich Zeit junger Freund. Lass uns schlafen. Du nimmst die andere Ecke der Hütte, dann kommen wir uns nicht in die Quere. Gute Nacht."

Arkon tut wie ihm geheißen und legt seine Decke in die ihm zugewiesene Ecke. Bei den Worten "Gute Nacht Jamal" schläft er schon fast. Als der Morgen graut, wird Arkon ordentlich wachgerüttelt.

"Hey Langschläfer, Frühstück ist fertig."

Arkon traut seinen Ohren nicht, bis er den Duft aufgebrühter Rotbuschblätter riecht. Neben dem Tee gibt es angewärmtes Fladenbrot und dazu noch Reste des Hopplers vom Vortag. Arkon strahlt beim Essen und Jamal sieht ihn dabei belustigt an.

"Du bist so nett zu mir, Jamal, das hätte ich von einem Fremden nicht erwartet."

Jamal grinst und sagt, "Ah, ich bin doch nur froh, dass du mich gestern nicht zertrampelt hast."

Beide stimmen in ein fröhliches Gelächter ein.

"Schade nur, dass wir verschiedene Wege gehen. Dich als Begleitung zu haben wäre wunderbar."

Jamal blickt nachdenklich zu Arkon und sagt darauf, "ich weiß, dass wir uns wiedersehen werden. Und dann haben wir sicher mehr Zeit. Das Schicksal hat uns zusammengeführt und von nun an sind wir uns nicht mehr fremd. Ich sehe in dir mehr, als nur einen unbedarften jungen Mann auf seiner großen Reise. Es war mir eine Freude und es wird wieder eine sein. Wohlan, junger Arkon, bis zum nächsten mal."

Jamal ist bereits aufgebrochen, als Arkon seinen Rucksack packt. Seine Gedanken sind noch bei den Gesprächen des letzten Abends. Jamal hat viel erlebt und kennt die Welt von Nord nach Süd, von West nach Ost. Er hatte berichtet, wie die Wüstenvölker seiner Heimat leben, wie gefährlich die Sumpfländer sind, was man in den rauen Bergen beachten muss, wie wild und trostlos das Land Kurr ist und er berichtete vom "Großen Wald" im Norden von Quest. Das war das spannendste Thema des Abends für Arkon. Er hang an den Lippen von Jamal, als dieser von Elfen und Faunen erzählte, die dort leben, von einem großen Feuerberg mitten im Großen Wald, der sehr gefährlich ist und von einer verborgenen Höhle, die nie ein Mensch betreten hat. Diese wird von furchtbaren Ungeheuern bewacht und ist gespickt mit magischen Fallen. In dieser Höhle ist angeblich der Quell aller Magie, das Geheimnis der Welt und der Unsterblichkeit. Eine Mär der Abergläubigen und Alten, aber ungemein spannend für Jungen in seinem Alter. Arkon weiß, dass das alles Humbug ist, dennoch lauschte er mit Spannung diesen Geschichten.

Diese Gedanken begleiten ihn bis zum Mittag auf seinem weiteren Weg.

Während er rastet und seine Füße massiert, blickt er glücklich auf die Wanderschuhe. Das war das schönste Geschenk; er hatte keine einzige Blase bekommen, dank dieser tollen Schnürstiefel. Er musste seinen Eltern dafür ein wunderschönes Geschenk mitbringen. Nun er hat ja noch genügend Zeit, also genau ungefähr äh ja so in etwa 350 Tage. Wie lange das noch ist, wundert er sich, einen ganzen Umlauf sollte er unterwegs sein. Irgendwie bekommt er jetzt schon so ein klein wenig, ein bisschen Heimweh. Nein. Moment, er ist ein großer Junge, besser ein junger Mann und Männer haben kein Heimweh. Nein, ganz bestimmt nicht. Also muss es etwas anderes sein, das ihn tief im Inneren schmerzt. Er schiebt diese Gedanken beiseite, zieht die Stiefel wieder an und marschiert kräftig weiter. Die Gegend hier ist Wildnis, da die Felder der Bauern von Goreni nicht bis hierher reichen und die der Bauern von Hermion noch nicht hier beginnen. Die Straße durchbricht also Steppe und Waldstücke, passiert den einen oder anderen Bachlauf und ist furchtbar staubig. Aber die Abwechslung der Umgebung macht das Wandern nicht eintönig und so vergeht die Zeit schnell. Die Nacht und der folgende Tag verlaufen bis auf einige Begegnungen mit Schmetterlingen und Hopplern ereignislos.

Als er an diesem Abend sein Nachtlager bezieht, weiß er, dass Hermion nur noch eine Tagsreise entfernt ist. Er stellt sich das bunte Treiben auf den vollen Straßen vor und überlegt, wo er wohl unterkommen würde. Die Nacht ist kühl und sein Schlaf unruhig. Das, was er die Nacht zuvor so angenehm geträumt hat, ist nun beängstigend und furchterregend geworden. War er gestern Nacht noch sanft durch den Großen Wald gewandert und hat mit freundlichen Elfen gesprochen, so träumt er heute von reißenden Bestien, die ihn durch den Großen Wald jagen, von endloser Flucht durch das Gehölz, von rot brennenden Augenpaaren, die ihn immer verfolgen. Die wilden Bestien verfehlen ihn immer nur knapp, schnappen nach ihm und erwischen nur das Hemd, dann fällt er in ein Erdloch, stürzt nach unten in die Tiefe. Am Ende wird er ausgespuckt in einen unterirdischen See aus klarem Wasser. Als er wieder Luft bekommt, sieht er sich in der Dunkelheit um. In der Mitte des Sees ragt ein gewaltiger Stalaktit von der Decke, als zeige ein Gott mit seinem Finger auf den See und sagt: "Hier ist die Mitte". Unter dem Stalaktiten ist die Erhebung einer kleinen Insel zu erkennen.

Während er noch bemüht ist, auf diesen Gottesfinger und die Insel zuzuschwimmen, beginnt der See hinter ihm auszulaufen und entwickelt dabei einen reißenden Sog, dem er nicht widerstehen kann. Er wird trotz verzweifelten Schwimmens mitgerissen und unter die brodelnde Oberfläche des Wassers gezogen. Er bemüht sich um Luft, doch sein Fall im Wasserstrudel ist unendlich. Dann durchzuckt der Aufprall seinen ganzen Körper und er erwacht schweißgebadet. Nur langsam realisiert er, dass das Zucken seine eigene Muskulatur war und er durchaus noch am Leben ist. Die Nässe ist sein eigener Schweiß und der Wasserfall gar nicht da. Dann atmet er tief durch und verbringt die restlichen Stunden bis Sonnenaufgang in unruhigem Halbschlaf.

Während seines Weges denkt er über seine Träume nach. Es war früher sehr selten, dass er schlecht träumte. Und auf dieser Reise war das bereits der zweite schlimme Traum. Ob das etwas zu bedeuten hat? Alles begann nach der Begegnung mit dem Fanggreif. Aber was soll ein Vogel, der ihm noch nicht einmal etwas angetan hat, mit seinen Träumen zu tun haben? Er schüttelt diese Gedanken ab und blickt in diesem Moment nach oben in den Himmel. Ein riesiger Vogelschwarm schwebt über ihm. Nein, er überholt ihn. Das sieht aus, wie der alljährliche Zug der Vögel nach Süden. Aber die Tiere waren nach Osten unterwegs. Sehr seltsam, vor allem, da es anscheinend sehr unterschiedliche Vögel waren, die hier zusammen einen Schwarm bildeten. Arkon betrachtete die Tiere erstaunt und verfolgte immer wieder deren Zug über ihn hinweg. Es müssen tausende sein.

Dann sieht er die ersten Vorboten der Stadt. Einladende Gasthäuser an der Straße, Kesselflicker und Gemüseverkäufer und alles für Fuhrwerke und deren Zugtiere. Arkon ist beeindruckt und blickt fasziniert von links nach rechts und umgekehrt. Schon sind auch die Stadtmauern von Hermion zu sehen, davor die wachsende Vorstadt und dahinter Kuppeln und Türme von Villen und Palästen. In Hermion residiert auch der amtierende Herrscher von Quest, Jochnaak von Quest, der Enkelsohn des Mächtigen Jochgathan von Quest. Arkon hofft darauf, irgendwann einmal einen Blick auf oder sogar in den Palast werfen zu können. Doch dazu muss man normalerweise ein entsprechendes Anliegen haben, um an einer Audienz teilnehmen zu können oder eine Einladung von einem Bewohner des Palastes besitzen. Beides kann Arkon nicht vorweisen und so bleibt ihm nur sein Traum vom Palastinneren.

Während er weiter geht, wird die Bebauung dichter, er betritt langsam die Vorstadt und die staubige Straße verwandelt sich in eine gepflasterte Hauptstraße. Die Hütten werden zu Häusern aus Stein und das Treiben auf der Straße wird immer dichter. Kaufleute, Fuhrwerke, Händler, Handwerker und Stadtwachen laufen hierhin und dorthin, dazwischen Bettelvolk und schreiende Kinder. An den Seiten der Straße sind Verkaufsstände und Marktschreier bieten ihre Ware feil. Was es dort alles gibt, staunt Arkon. Er kennt zwar viele Waren aus dem Hafen, doch vom Inland oder aus den Bergen gibt es nur wenig in Mermol zu kaufen. Hier dagegen finden sich wundersame Dinge, wie weiße und bunte Kristalle, glitzernde Steine, Drusen und vielfältige Holzstücke wie Wurzeln wundersamer Form, pulverisiertes Holz, geschnitzte Formen und Figuren. Daneben befindet sich ein Stand mit Früchten und Gemüse, dann einer mit getrockneten und rohen Fleischwaren und wieder ein anderer mit Flechtwerk und Korbwaren, einer mit Kleidung und so weiter und so fort. Viele Eindrücke weiter erreicht Arkon die Stadtmauern und tritt durch die mächtigen Stadttore.

Schnell ist es wesentlich ruhiger auf der Straße, die Stände links und rechts fehlen. Hier darf nur auf dem Marktplatz verkauft werden. Die Häuser hier sind gewaltig, alle mindestens drei Geschosse hoch und vollkommen aus Stein erbaut. Die Dächer sind mit roten Ziegeln gedeckt und es sind mächtige Schornsteine darauf. In vielen Häusern leben mehrere Familien, nur die ganz Reichen können sich so ein Haus alleine leisten.

An vielen Fassaden hängen Fahnen in den buntesten Farben, manche sind mit Tieren oder Rüstungen, andere mit diversen Symbolen bestickt. Gold, Silber und Blau sind sehr beliebt, Grün und Rot sieht man weniger oft. An einige Häusern sind auch Zunftschilder angebracht und er erkennt auch die eine oder andere Zunft an der Darstellung auf dem Schild.

Plötzlich entdeckt er zwei Jungen in seinem Alter, die gestikulieren und auf ihn zeigen. Er weiß nicht so recht etwas damit anzufangen und so ignoriert er es erst einmal. Doch die beiden reden weiter miteinander und deuten wieder auf ihn. Dann lösen sich aus dem Schatten neben den beiden drei weitere Jungen und gehen direkt auf ihn zu. Er erschrickt ein wenig, macht sich jedoch auf eine Konfrontation gefasst.

Fünf Schritte, vier Schritte, drei Schritte, zwei Schritte, er setzt an, etwas zu sagen, als die drei wortlos an ihm vorbeigehen. Verblüfft dreht er sich um und sieht, wie die drei hinter ihm zu einem Mann treten, der ihnen nacheinander ein Geldstück in die Hand gibt und auf den Hauseingang hinter sich deutet, in dem die Jungen nacheinander verschwinden. Arkon dreht sich wieder um zu den beiden Gestikulierern, doch dort befindet sich keiner mehr. Wieder wendet er sich dem Haus zu und sein Blick entspricht einem ganzen Berg an Fragen.

"Sie arbeiten für Hrek den Wäscher. Tagelöhner und Jungs, die sich ein wenig Geld verdienen wollen, sind ihm immer willkommen. Einen Silberling für drei Stunden Wäsche wringen, schlagen und schleudern. Eine harte Arbeit und ein fairer Lohn. Also wenn du mal Arbeit suchst, komm hierher."

Während des Vortrages hat sich Arkon zu der Frau umgedreht, die mit ihm gesprochen hat. Sie war etwa 25 Jahre alt, nicht größer als er selbst, normal gewandet und nicht besonders dick. Na, ein klein wenig schon, aber ihr schelmisches Lächeln und die blonden Locken lenkten gut davon ab, fand Arkon.

"Danke für die Erklärung. Ich bin Arkon aus Mermol und auf meiner Großen Reise."

Die Frau lacht hell auf.

"Ja, so etwas dachte ich mir. Die Große Reise so ganz alleine, Junge, das ist mutig. Mein Name ist Karrana, ich wohne draußen in der Vorstadt und bin auf dem Weg zum Marktplatz. Kommst du mit?"

Arkon freut sich über die nette Begegnung und so willigt er schnell ein. Zusammen setzen die beiden den Weg in die Stadtmitte fort. Schnell bemerkt Arkon, dass er Karrana gar nichts fragen muss, sie erzählt eigentlich alles von sich aus. Sie gibt ihm auf seine Fragen automatisch schon Antworten, solche die er hören wollte und viele andere ebenfalls. Aber da er nicht unhöflich ist, lässt er ihr die Freude, einen Zuhörer gefunden zu haben und lächelt freundlich zu ihrem Redeschwall. Schließlich werden seine dringendsten Fragen ja beantwortet. Und wenn er doch eine Information benötigte, die sie versehentlich ausgelassen hat, brauchte er nur eine Pause abzuwarten und dann die Frage zu stellen. Das war zwar nicht ganz so einfach, doch es gelang ihm wirklich ganze zweimal auf dem gesamten Weg zum Marktplatz. Dort angekommen wirft sie ihm ein kurzes "Ich muss jetzt weiter, die Geschäfte rufen. Mach's gut Arkon!" zu und schon ist sie im Menschengewühl verschwunden.

Arkon steht am Rand des Platzes und blickt auf ein Meer von Marktständen, Podesten und Menschenköpfen. Dies ist der Moment, in dem er gar nicht weiß, wie es jetzt weitergehen soll. Er ist nun in Hermion und seine erste Etappe ist damit geschafft, aber was wird seine zweite Etappe sein? Weiter wandern soweit die Füße tragen? Hier eine Arbeit annehmen und ein Handwerk erlernen? Nun, er hat noch Zeit und so beschließt er, zuerst diesen Marktplatz zu erobern. Mit entschlossenem Blick tritt er in die Menschenmenge und wird augenblicklich davon verschluckt.

Das Gewühl ist noch dichter als die Vorstadt und die Vielfalt der Gerüche und Farben verwirrt seine Sinne. Gewürzgeruch mischt sich mit Pferdemist, Batik mit Naturfarben. Menschenschweiß konkurriert mit Wildtierausdünstung und Gegacker, Bellen und laute Marktschreie hallen in Arkons Ohren. Ein leichter Schwindel stellt sich schon nach wenigen Minuten ein, nicht unangenehm sondern eher berauschend. Arkon genießt diesen Rausch der Sinne und vergisst darüber die Zeit. Er kehrt langsam in die Realität zurück, als bereits die meisten Buden geschlossen sind und die gerade noch heftige Lautstärke einer fast unheimlichen Stille gewichen ist.

Im beginnenden Dämmerlicht ähnelt der Marktplatz eher einer Ruhestätte, die Holzgerüste sehen aus wie Mausoleen und die Gassen scheinen verlassen. Doch plötzlich regt sich Leben am Rande des Platzes, stumme in Lumpen gehüllte Gestalten beginnen den Marktplatz zu durchqueren. Unheimlich sieht es aus, als wären die Toten auferstanden und würden nach jungem Leben suchen, das sie in ihre feuchten Gräber mitnehmen können. Arkon schaudert und zieht sich in eine dunkle Ecke zurück, in der er sich sicher wähnt. Das schlürfen der Schritte und das Scharren, das von den Gestalten ausgeht, wenn sie sich bücken, erzeug eine Gänsehaut bei Arkon. Er stellt sich vor, sie kommen zu ihm und finden ihn, dann zerpflücken sie ihn in Einzelteile und er wird zu einem von ihnen.

Arkon entfährt ein Schrei und er springt einen Meter auf die Seite als irgendetwas seine Schulter berührt. Ein direkt anschließendes "Buh!" lässt ihn noch einmal zurückweichen, was zu einer schmerzlichen Kollision mit einer Hüttenwand führt. Vor ihm steht ein dunkle Gestalt mit einer tief ins Gesicht gezogenen Kutte. Arkon blickt voller Schreck auf das sich bewegende Etwas, bis ihm ein rhythmisches Grunzen klar macht, dass diese Gestalt sich gerade vor Lachen schüttelt. Als die Erleichterung darüber in sein Gesicht geschrieben steht, wird aus dem Grunzen seines Gegenübers ein heiteres, eher freundliches Lachen.

"Du solltest dich sehen, wie ein begossener Kläffer siehst du aus. Ha ha ha."

"Ha ha", erwidert Arkon ein wenig ärgerlich, "kein Wunder, wenn man heimtückisch von hinten erschreckt wird."

Die Gestalt schiebt die Kutte zurück und hervor kommt das Gesicht eines Jungen in seinem Alter. Sommersprossig, mit roten Locken und einer deutlichen Zahnlücke versehen grinst er vollkommen amüsiert.

"Ich bin Renftel, aber alle nennen mich Reff. Und wer bist du?"

"Arkon aus Mermol. Ich mache meine Große Reise und bin heute hier angekommen."

"Ah, davon habe ich gehört. Aber du bist der erste Großreisende, dem ich hier begegne."

Arkon überlegt kurz, "ja? Dann werden die meisten wohl doch die Küste entlang gehen oder mit dem Schiff fahren. Außerdem sind es nicht mehr so viele, die der Tradition nachgehen. Die meisten Jungen müssen für ihre Familie arbeiten und können gar nicht weg. Ich habe Glück, dass meine Familie es auch mal eine Zeitlang ohne mich schafft."

"Na dann", sagt Reff, "heiße ich dich herzlich willkommen in Hermion, meiner Stadt!"

"Deine Stadt?"

Reff lacht, "ja klar. Ich bin der König!"

Arkons Blick ist sehr ungläubig, "nimm mich nicht auf den Arm, Reff."

"Tu ich nicht. Ich bin der König der Straße!" Reff lacht wieder sein fröhliches Lachen. Es klingt, als könne nichts und niemand es seiner Fröhlichkeit berauben.

Das Lächeln in Arkons Gesicht verblasst, als er sich wieder den schlürfenden Gestalten auf dem Marktplatz zuwendet.

"Und die da?"

"Ach die, das sind Bettler und die Ärmsten der Armen. Sie suchen hier auf dem Platz nach den Resten von Essbarem, die heruntergefallen sind. Bedauernswert aber ungefährlich."

Erleichtert atmet Arkon auf. Dann sieht er genauer hin und wirklich, die Gestalten durchstreifen die Buden und Gassen, ihr Blick ist auf den Boden gerichtet und sie heben alles auf, was irgendwie Beute verspricht und lassen Unbrauchbares wieder fallen. In diesem Licht sieht ihr Tun gar nicht mehr so bedrohlich aus. Also sind das gar keine auferstandenen Leichen auf dem Marktplatz, die nach jungem Fleisch suchen.

"Komm mit, ich stell dich den anderen vor!"

Arkon folgt Reff durch die Marktstände an einigen heftig riechenden Bettlern vorbei und sie verlassen nach Kurzem den Marktplatz. Erste Gasse links, die dritte Gasse rechts, die zweite Gasse wieder links, mit einer kleinen Leiter über eine halbhohe Mauer, dann wieder links, rechts, geradeaus - Arkon beginnt, die Orientierung zu verlieren. Dann durch einen Torbogen in eine schäbigen Hinterhof. Reff stößt einen scharfen Viertonpfiff aus.

"Va va vi vee"

"Ve vo ve" war die dreitönige Antwort aus dem Hof.

Daraufhin treten drei Jungen aus dem Schatten der niedrigen Holzhütte, die im hinteren Bereich des Innenhofes in eine Ecke gelehnt scheint, die von den umgebenden Häusern gebildet wird. Mehr kann Arkon in der Dunkelheit nicht erkennen, da der Innenhof nur spärlich von den aus den Fenstern dringenden Lampenscheinen beleuchtet ist. Reff begrüßt die drei Jungen mit einer Geste und einem seltsamen Handschlag. Anschließend stellt er Arkon vor.

"Das ist Arkon aus Mermol. Er ist ein Reisender, der uns willkommen sein soll." Dann deutet er auf die Jungen der Reihe nach und nennt deren Namen "Ston, Manol, Henn."

Die drei nicken Arkon jeweils kurz zu. Gemeinsam gehen sie zur Hütte und betreten diese. Arkon sieht sich neugierig um: Ein Tisch, vier Hocker - besser umgedrehte Holzkisten, eine Kommode und vier Lagerstätten um den offenen Kamin. Das ist schon alles an Einrichtung. Auf der Kommode befindet sich neben schmutzigem Geschirr eine Kanne und eine breite Schüssel als Waschgelegenheit für Geschirr und Mensch. Beleuchtet wird alles durch eine Öllampe in der Mitte des Tisches. Drei Becher und eine Flasche stehen ebenfalls auf dem Tisch. Manol nimmt von der Kommode zwei Becher, schwenkt diese mit einer für Arkons Geschmack viel zu kurzen Bewegung durch die Schüssel und stellt sie auf den Tisch. Ston gießt bereits eine rote Flüssigkeit aus der Flasche in die beiden Becher und füllt auch die anderen drei wieder auf. Dann wird Arkon einer davon mit der Aufforderung anzustoßen gereicht. Trotz des ersten Unbehagens schmeckt der angegorene Traubensaft köstlich und erst jetzt bemerkt Arkon, dass er seit Stunden weder getrunken noch gegessen hatte. Henn kommt mit einer weiteren Kiste von draußen und so setzt sich Arkon zu den Vieren an den Tisch und beim gemeinsamen Essen beginnen sie zu erzählen.

Arkon spart sich wieder einmal die Unterkunftskosten und ist froh darüber, da er dadurch länger auskommen kann ohne sich Arbeit zu suchen und an einen Ort gebunden zu sein. Am Morgen sitzt die Bande bei Rotbuschtee und Fladenbrot zusammen und Reff erklärt den Tag.

"Heute Vormittag werden wir für Hrek Wäsche ausfahren und abholen und dabei gleich das ausstehende Geld eintreiben. Nachmittags wird eine Karawane aus Nagal erwartet. Wir vermitteln sie gleich zu Hreks Bruder und kassieren die Belohnung dafür. Das heißt, wir müssen schneller als die Blauen sein. Klar?"

"Ja, klar. Henn sollte schon früh der Karawane entgegengehen", antwortet Ston.

"Einverstanden", schließt Reff diesen Punkt.

"Wer sind die Blauen?", schaltet sich Arkon ein.

"Die Blauen sind die Bande von Kor. Die heißen so, weil sie blaue Kutten anhaben. Kors Vater hat eine Färberei, daher kostet das die nichts. Die sind lauter Feiglinge" beantwortet Henn die Frage.

"Und außerdem stinken sie!" Ston hält sich demonstrativ die Nase zu und die anderen brechen in schallendes Gelächter aus.

Arkon schmunzelt über diese schauspielerische Leistung und gibt sich mit der Antwort zufrieden. Schon naht der Aufbruch zu Teil eins des Schlachtplanes. Reff sieht zu Arkon und sagt:

"Du kannst gerne mitmachen. Das wird lustig und du hast doch Zeit. Dann komm mit mir."

Reff geht voraus und Arkon folgt dichtauf. Sein Rucksack liegt sicher verstaut unter dem Holzboden der Hütte in einer Geheimkammer. Die Feder trägt er schon lange mit einem Lederriemen um den Hals gebunden unter seinem Hemd. Die Winkel der Gassen von Hermion sind auch bei Tageslicht nicht besser zu merken, dennoch versucht Arkon sein Bestes, sich den Weg einzuprägen. Erst als sie direkt vor dem Haus von Hrek stehen, erkennt Arkon es wieder. Reff bedeutet ihm, mit den anderen Jungen hier zu warten, als er das Haus betritt. Nach kurzer Zeit winkt er die vier zum Seiteneingang, der zur Wäscherei führt. Dort wartet ein über und über mit sauberer Wäsche beladener Wagen auf seine Auslieferung. Zehn Hände packen an und schon holpert der Zweiradwagen über die Gasse dem ersten Kunden entgegen. Der folgende Ablauf ist immer gleich. Reff geht ins Haus, der Kunde tritt mit ihm an den Wagen, deutet auf seine Wäsche und die Jungen tragen sie ihm hinterher. Manchmal nehmen sie schmutzige Wäsche wieder mit heraus und laden diese auf den Wagen. Reff selbst wickelt das Finanzielle mit dem Kunden ab.

Nach drei Stunden sind sie wieder an Hreks Haus und schieben den Wagen in den Seiteneingang. Reff kommt nach einigen Minuten wieder aus dem Haus und hält ein kleines Säckchen Münzen in die Luft.

"Na, ist doch weit schneller und leichter verdient, als mit Wringen und Waschen." Sagt Reff leise zu Arkon, der daraufhin anerkennend nickt.

"Henn, geh der Karawane entgegen, wir kümmern uns um die Blauen" grinst Reff. "Jetzt wirst du mal königliche Ablenkung kennen lernen."

Schnell bewegen sie sich nun durch die Gassen, über Hinterhöfe und durch enge Schluchten zwischen zwei Häusern. Plötzlich hält Reff inne und Arkon prallt fast auf ihn.

"Psst. Da sind sie. Ston, Manol, los!"

Hinter Arkon drehen sich die beiden um und verschwinden um die vorige Hausecke. Reff hält Arkon noch kurz fest. Vor ihnen versammeln sich die Blauen. 5 Jungen stehen bereits mitten auf der vor ihnen liegenden Gasse, die auf beiden Seiten von hohen Mauern begrenzt ist. Links steht ein hohes Wohnhaus und rechts ist eine Mauer, die zur Umfriedung eines größeren Anwesens gehört. Dann tritt aus dem Wohnhaus ein sechster Junge.

"Das ist er, Kor, der Anführer. Jetzt müssen wir raus, um ihn dort zu halten, bis Manol und Ston fertig sind."

Reff tritt nun auf die Gasse hinaus und ruft laut: "Kor und seine Buben!"

Sechs blau gewandete Jungen drehen sich der Stimme zu. Die erste Verblüffung weicht der Belustigung in deren Gesichtszügen. Kor tritt vor und ruft:

"Ah, der König der Straße. Renftel, der Kleine! Los Leute, verbeugt euch vor Eurer Majestät!"

Die Meute lacht und sie deuten alle eine krumme Verbeugungen an, die vor einem echten König sicher jahrelangen Kerker bedeutet hätten.

"Waoh, Kor, du hast deinen Wilden ja Manieren beigebracht. Das nenn' ich Zuchterfolg."

"Warte, du Bastard, wir werden dir und deinem neuen Kleinkind gleich Manieren beibringen!"

In diesem Moment wird Arkon einer Bewegung auf der Mauer oberhalb von Kors Leuten gewahr. Reff lächelt verschmitzt und flüstert ein "Gleich geht es los" zu Arkon.

Gerade als die Blauen sich anschicken, langsam und bedrohlich auf Reff und Arkon zuzugehen, fallen zwei große Kürbisse von der Mauer direkt vor die Füße von Kor. Mit einem lauten "Platsch" zerplatzen sie und verspritzen eine gelbliche Flüssigkeit auf die Blauen, die mitten in der Bewegung erstarren. Zwei weitere Kürbisse klatschen direkt hinter der Gruppe auf den Boden und bespritzen auch den letzten der Blauen mit ihrem gelben Saft. Ein wütendes Aufheulen geht durch die Sechsergruppe und sie wenden sich wieder Richtung Reff und Arkon. Da fliegt ein Stoffbündel direkt vor ihre Füße. Sie blicken fragend auf das Bündel, von dem ein immer lauter werdendes Summen ausgeht. Dann lösen sich die ersten Wespen aus dem Stoff und die Blauen stürzen unter lautem Schreien die Gasse entlang. Die Wespen nehmen sofort die Verfolgung auf und noch nach Minuten hören Arkon und die "Könige der Straße" einzelne Schreie und Flüche. Schnell ziehen sie sich von der Wespenarmee zurück und machen sich auf den Weg zur Karawane.

Den ganzen Weg erzählen Ston und Manol, wie sie die Kürbisse geschleppt, wie sie sie auf die Mauer gehievt und wie sie die Wespen gefangen haben. Lachend beschreiben sie andauernd die Gesichter der Blauen und deren wilde Gesten bei der Flucht. Arkon lacht mit ihnen, auch wenn er hofft, die Blauen würden nicht ganz so oft gestochen werden.

Als sie aus der Stadt treten, sehen sie die Karawane bereits ankommen. Henn ist beim Karawanenführer und scheint alles im Griff zu haben. Sie stürmen ihnen entgegen und ganz außer Atem erreichen sie die Spitze der Karawane. Henn begrüßt sie und stellt sie dem Karawanenführer vor, der ihnen freundlich lächelnd seine Hand zum Gruß reicht. Er scheint froh, nicht lange eine geeignete Karawanserei suchen zu müssen, auch wenn er weiß, dass sich die Jungen damit ein wenig Geld verdienen. Also führen sie die Karawane direkt zum Gelände von Hreks Bruder. Es gibt viel zu sehen, die vielen Wagen, die von unterschiedlichen Tieren gezogen werden, machen großen Eindruck auf Arkon. Händler aus den verschiedenen Ländereien waren mit dabei. Hautfarben und Kleidung waren bunt und Arkon konnte schier nicht genug davon bekommen. Reff sieht seinem Staunen einige Zeit zu und amüsiert sich darüber. Doch dann mahnt er zum Aufbruch. Nach dem Kassieren der Belohnung macht sich die Bande auf, in ihr Versteck zurückzukehren. Der ganze Abend ist angefüllt von der Diskussion über die heutigen Erlebnisse. Henn hat das Beste ja versäumt. Er hört nicht auf, die anderen nach den Einzelheiten über die besiegten Blauen zu fragen und seine Freunde überbieten sich mit ihren Schilderungen. Erst spät wird das Licht gelöscht und die Bande fällt in den verdienten Schlaf.

Die kommenden Tage verlaufen ruhiger, von der angebrachten Vorsicht abgesehen, den Blauen nicht in die Quere zu kommen. Arkon gewöhnt sich schnell an das Bandenleben und es macht ihm viel Spaß. Er hat die Albträume schon fast wieder vergessen, als er in der dritten Nacht wieder schweißgebadet aufwacht. Es war ein anderer Traum, kein Kampf und keine Horror, aber da war ein alter Mann, den er gesehen hat. Der hatte im Traum mit ihm gesprochen. Er wollte etwas von Arkon, wollte dass er zu ihm kommt. Es war ein Traum, der zum Anfassen real wirkte. Der Mann sagte, "Komm zu mir, Fähiger, komm her! Hierher!" und dabei zeigte ihm der Traum ein Bild von einer tiefen Schlucht und einem Felsabsatz auf dem der alte Mann stand.

Arkon schüttelt sich und versucht die Traumbilder zu verscheuchen, doch die Worte des alten Mannes hallen in seine Gedanken nach. "Fähiger", was meint der Alte damit? Und wo soll dieser Felsabsatz sein. "Traum, das ist ein Traum", sagt sich Arkon, "alles nicht wirklich."

Den ganzen Tag wird Arkon das Bild nicht los und in der folgenden Nacht träumt er genau den gleichen Traum wieder. Fast den gleichen Traum, da dieses mal der alte Mann gebückter und älter wirkt und die Stelle in der Schlucht genauer zu sehen ist. Arkon sitzt verwirrt auf seinem Nachtlager. Als ob der Traum seine Fragen zu beantworten sucht. Er legt sich wieder hin und nach kurzer Zeit ist er wieder in diesem Traum gefangen. Und der Traum wird massiver und stärker. Arkon erwacht, als der Morgen graut. Der alte Gron hatte immer gesagt, manchmal musst du auf deine Träume hören, sonst verpasst du eine wichtige Gelegenheit. So beschließt Arkon sich auf die Suche nach dieser Schlucht zu machen. Beim Frühstück erzählt er Reff davon, der ihm prompt die "Große Schlucht" als möglichen Ort nennt. Dort gäbe es viele Felsabsätze und er bräuchte unbedingt ein langes, kräftiges Seil dafür und er würde ihn auf gar keinen Fall alleine gehen lassen. Arkon ist überrascht von der entgegengebrachten Freundschaft und Reff weist noch während des Essens seine Freunde an, was sie in seiner Abwesenheit tun sollten.



© A. Lindermeir

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